Welcome to London

[Deutsche Version]

In an earlier post I wrote about my travel to London for a meeting. Now, I’m already in London working on a project that resulted from that meeting. But, what am I actually doing here?

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In our recently published article me and my colleagues investigated environmental conditions that support the evolution of social learning and the effect of competition over limited resources on it. The results are both interesting and intuitive (like so many things once you understand them). However, because it is purely theoretical I was looking for a simple experiment I could do with real animals. I browsed publications on behavioural studies regarding social learning and found one that, with relatively little adjustment, met all my needs. The authors: Aurore Avarguès-Weber and Lars Chittka. I proposed a project, was invited, and now I am doing it.

The model organisms I am working with, as my colleague Oscar described them, are flying teddy bears, also known as bumblebee Bombus terrestris. When I arrived in London two weeks ago, I was impressed by the preparations prior to my arrival. My new colleagues already prepared a flying arena as well as a colony for me. So, with no further delay I started experimenting.

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I am now two weeks into this project. Once more I had to learn: working with animals is a process. I worked with bumblebees some years ago. Even though I was fairly good in handling them it takes some time to get used to them again. After all, for the last three years the only thing I had to handle was a keyboard and the blinking cursor in a terminal.

How to feed a colony enough, so that they are not starving, but too much, that no one would forage, and thus not participating in the experiments? It’s a very thin line you need to find. Getting to know the colony and getting grips on how to handle individual bees and make them learn, adjusting and adapting the experimental protocol, it all takes time, a lot of patients, and a cup of tea every now and then. The next two weeks will hopefully generate data I can use for my thesis. My preliminary results look promising. Fingers crossed it wasn’t just a random result.

 

[English version]

In einem vorangegangenen Beitrag habe ich über ein Projekttreffen in London geschrieben. Mittlerweile bin ich in London und arbeite auch schon an diesem Projekt. Aber was genau tue ich hier eigentlich?

In unserem vor kurzem erschienenen Artikel haben meine Kollegen und ich den Einfluß von Rohstoffkonkurrenz auf die Evolution von sozialem Lernen, bei dem Individuen lernen indem sie andere beobachten oder imitieren, untersucht. Die Ergebnisse unseres theoretischen Modells sind gleichermaßen interessant und intuitiv (aber so ist das ja häufig mit Dingen, hat man sie erst einmal verstanden). Unsere Arbeit ist jedoch rein theoretischer Natur, weswegen ich mich auf die Suche nach einer Möglichkeit gemacht habe, die Vorhersagen unsers Models in einem Tierversuch zu testen.

Nachdem ich mich durch diverse Veröffentlichung zu diesem Thema gearbeitet habe, fand ich eine Arbeit, die, mit wenigen Änderungen, meinen Anforderungen genügen könnte. Die Autoren dieser Arbeit: Aurore Avargués-Weber und Lars Chittka. Letzteren kontaktierte ich Ende des Sommers, schlug ein Experiment vor und wurde eingeladen. Nach einigen sehr konstruktiven Diskussionen mit ihm und seinen Doktoranden befinde ich mich nun in Chittkas Arbeitsgruppe und arbeite an eben jenem Projekt.

Ich habe noch gar nicht erwähnt, mit welchen Tieren ich eigentlich arbeite. Wer Lars Chittka kennt, weiß wahrscheinlich schon welche Spezies da nur in Frage kommen kann. Es sind, wie mein Kollege Oscar sie nennt: Fliegende Teddybären, auch Dunkle Erdhummel genannt (lat. Bombus terrestris). Als ich vor zwei Wochen in London ankam war ich positiv überrascht über den Einsatz meiner neuen Kollegen: sie hatten den Großteil meines Experimentes bereits aufgebaut. Eine Kolonie mit Hummeln samt einer Flugarena standen schon für mich bereit und ich machte mich alsdann auch gleich an die Arbeit.

Mittlerweile sind zwei Wochen vergangen. In dieser Zeit habe ich einmal mehr lernen müssen: die Arbeit mit Tieren ist ein andauernder Lernprozess. Ich hatte bereits für meine Diplomarbeit mit Hummeln gearbeitet und glaubte mich noch sehr gut im Umgang mit ihnen. Jedoch, es dauerte seine Zeit bis ich mich wieder an die Arbeit mit Hummeln gewöhnt hatte. Man darf ja auch nicht vergessen, dass ich in den vergangenen vier Jahren nur mit meiner Tastatur und meinem Computerterminal umgehen musste.

Wieviel darf man eine Kolonie füttern, damit sie nicht verhungert, aber auch nicht so satt ist, dass am Ende keine Hummel mehr fouragiert (‘Futter sammelt’)? Die Grenze zwischen diesen beiden Zuständen ist sehr schmal und ändert sich auch immer wieder in Abhängigkeit von der Koloniengröße. Es ist aber trotzdem wichtig zu wissen, wo sie liegt, denn ohne fouragierende Hummeln, keine Tiere im Versuch. Es braucht viel Zeit bis man sich an die Tieren gewöhnt und das Versuchsprotokoll angepasst hat. Und jede Menge Tee.

In den kommenden beiden Wochen hoffe ich ausreichend Daten generieren zu können, um das Projekt noch hier in London abschließen zu können. Wenn sich der Trend meiner vorläufigen Ergebnisse in stichhaltige Unterschiede verwandeln, dann kann ich mehr als zufrieden sein.